Die Mistel – Hilfe aus der Natur: Heilpflanzen und ihre Wirkung

Die Mistel – Viscum album

Die Mistel wirkt als Heilpflanze beruhigend, blutstillend und entzündungshemmend. Darüber hinaus kann sie Krämpfe lösen und das Immunsystem stärken. Sie wird in erster Linie zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt und darüber hinaus häufig allgemein zur Stärkung des Immunsystems verwendet. Für die therapeutische Behandlung nutzt man das ganze Kraut. Die Hauptwirkstoffe der Heilpflanze sind Lektine, Flavonoide, Polypeptide, Lignane, Polysaccharide, biogene Amine, Cyclitole und Phenolcarbonsäuren.

Misteln sind sogenannte Halbschmarotzer

Die Mistel ist vor allem in Europa und Asien weit verbreitet und zählt zu den sogenannten Halbschmarotzern.  Die immergrüne Heilpflanze wächst auf verschiedenen Laub- und Nadelbäumen wie Pappeln, Apfelbäumen, Tannen und Robinien und entzieht ihren Wirten Wasser und Nährstoffe. Photosynthese kann sie über ihre Blätter jedoch selbstständig betreiben.

Die Bedeutung der Mistel in der Geschichte

Wer die Asterix-Comicbände gelesen hat, erinnert sich vielleicht daran, dass die Mistel in der Comicserie eines der wichtigsten Bestandteile des „Zaubertranks“ ist, den der Druide Miraculix für die Bewohner des berühmten gallischen Dorfes braut. Tatsächlich galt die Mistel im Altertum bei den Kelten als Allheilmittel (Gallier sind keltische Stämme).

Da die Pflanze den Kelten heilig war, schnitten die Druiden die Mistelzweige stets nur mit goldenen Sicheln ab, die während dieser Prozedur nicht den Boden berühren durften. Auch die Misteln selbst durften auf keinen Fall bei ihrer Ernte auf die Erde fallen und wurden daher mit weissen Tüchern aufgefangen.

Die Griechen und Römer erforschten ebenfalls die Wirkung des heiligen Krauts der Kelten und verwendeten es als Heilmittel für verschiedene Krankheiten. Der berühmte altgriechische Arzt Hippokrates (460-370 v. Chr.) empfahl die Mistel gegen Epilepsie, Milzsucht und bei Schwindelanfällen und der römische Militärarzt Dioskurides nutzte sie als Heilmittel gegen Geschwüre. Im Mittelalter setzte der Arzt und Botaniker Hieronymus Bock (1498-1554) die Heilpflanze ebenfalls gegen Geschwulste ein und die pflanzenkundige Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179) behandelte mit Mistelschleim Leberbeschwerden.

Therapeutische Anwendung der Mistel

Misteln kann man (wie viele andere Heilpflanzen) innerlich wie äusserlich nutzen.

Die innerliche Behandlung mit Mistelextrakt

Zur innerlichen Anwendung der Mistel wird meistens ein Kaltauszug aus Mistelkraut zubereitet, da die Inhaltsstoffe der Pflanze durch ein Erhitzen ihre Wirksamkeit verlieren. Ausserdem können sich einige in der Mistel enthaltene und leicht giftige Stoffe in kaltem Wasser nicht lösen. Ansonsten kann man auch eins der vielen Fertigpräparate wie Kapseln und Tinkturen aus der Apotheke oder Drogerie für eine Therapie nutzen.

Mistelextrakt wird überwiegend als natürliche Medizin zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt. Die im Kraut enthaltenen Lektine wirken nämlich regulierend auf den Blutdruck. Ausserdem kann man durch diese Wirkstoffe Arterienverkalkung sowie Herz- und Kreislaufproblemen vorbeugen. Darüber hinaus besitzen die Lektine nervenstärkende Eigenschaften, weshalb man mit ihnen auch Kopfschmerzen, Schwindel und Epilepsie entgegenwirken kann.

Es wird vermutet, dass die in der Mistel enthaltenen Lektine zudem eine antikarzinogene Effekte haben. Daher wird die Heilpflanze inzwischen auch des Öfteren zur begleitenden Therapie sowie zur Nachbehandlung  gegen Krebs herangezogen. Die Eigenschaften der Mistel wurden allerdings noch nicht hinreichend durch klinische Studien untersucht, weshalb die Wirksamkeit der Heilpflanze als begleitendes Mittel zur schulmedizinischen Therapie bisher umstritten ist.

Aufgrund langjähriger Beobachtungen wird jedoch konstatiert, dass die immunstimulierenden Eigenschaften der Mistel unangenehme Begleiterscheinungen der herkömmlichen Krebstherapie mildern und das Allgemeinbefinden der Patienten verbessern können. Auf diese Weise kann eine begleitende Behandlung mit dem Kraut zu einer besseren Lebensqualität der Patienten beitragen. Ob eine solche Mistel-Therapie sinnvoll ist, sollte allerdings nur der behandelnde Arzt entscheiden.

Die äusserliche Verwendung der Mistel

Ein Kaltauszug aus Mistelkraut eignet sich für die äusserliche Anwendung bei Hautproblemen wie Ekzemen und Geschwüren oder Rheumabeschwerden. Dafür kann man einen Umschlag mit einem kalt angesetzten Mistel-Tee anlegen oder solch einen Kaltauszug als Badezusatz verwenden.

Ein Warnhinweis zur Therapie mit Mistelextrakten!

Da die Wirkung der Heilpflanze während der Schwangerschaft und Stillphase bisher nicht hinlänglich untersucht wurde, sollten schwangere Frauen und stillende Mütter vorsichtshalber auf die Verwendung von Mistelpräparaten verzichten. Eine Misteltherapie wird im Rahmen der anthroposophischen Medizin zur begleitenden Behandlung der schulmedizinischen Krebstherapie normalerweise so durchgeführt, dass Injektionen mit dem Wirkstoff verabreicht werden. Entscheidet man sich für eine derartige Misteltherapie, ist es aber dringend erforderlich, die Behandlung durch einen erfahrenen Arzt durchführen zu lassen.

Kostenübernahme durch die Krankenkasse

Eine Therapie mit Heilpflanzen wird auch Phytotherapie genannt. Die Kosten für solch eine Therapie werden derzeit in der Schweiz unter Umständen von der Obligatorischen Grundversicherung übernommen. Das gilt auch für die Misteltherapie. Bei anderen alternativmedizinischen Therapien zahlen die Schweizer Krankenkassen jedoch nur, wenn der Versicherte eine passende Zusatzversicherung abgeschlossen hat. Wer häufig auf Alternativmedizin setzt, sollte sich daher überlegen, ob er solch eine Versicherung abschliesst.