Warum steigen die Prämien?

Warum steigen die Prämien der Krankenversicherung? Dies ist wohl die meist gestellte Frage, wenn es um die Krankenversicherung geht. Praktisch jedes Jahr werden die Prämien für die Krankenkasse erhöht – und dabei handelt es sich nicht um kleine Erhöhungen, sondern um teilweise Prämienerhöhungen im zweistelligen Prozentbereich. Bereits für das nächste Jahr werden aufgrund der neuen Spitalfinanzierung Prämienerhöhung von bis zu fünf Prozent prophezeit. Erfahren Sie hier, warum die Kosten des Gesundheitswesens und somit die Prämien stetig steigen.

Warum steigen die Kosten im Gesundheitswesen?

Das Gesundheitswesen in der Schweiz beschäftigt über 500 000 Angestellte und das Ganze spielt sich auf einem Markt ab, der 60 Milliarden schwer ist. Nur schon diese Dimension zu verstehen, sind schwer vorstellbar. Das heisst, dass zehn Prozent der Arbeitnehmer im Gesundheitswesen tätig sind, welche sich stets dafür einsetzen, für eine bessere Behandlung für die Patienten zusorgen und für den technischen Fortschritt und die Entwicklung neuer Medikamente. Alleine im Jahr 2008 stiegen diese Kosten um 5.4 Prozent.

Ein Grund, warum die Kosten im Gesundheitswesen so rasant ansteigen, ist der mangelnde Wettbewerb unter den Ärzten und Spitälern. Dies führt zu einem ungebremsten Kosten –und Mengenwachstum. Bei den Spitälern bestehen Überkapazitäten und die Ärzte verdienen Ihr Geld mit der Anzahl der Konsultationen. Wenn die Zahl der Arztpraxen in der Schweiz steigt, heisst das noch lange nicht, dass sich der Gesundheitszustand des Volkes verbessert.

Aber auch der steigende Konsum der Bevölkerung lässt die Kosten in die Höhe treiben. Das Angebot im Gesundheitswesen wird ständig ausgebaut und erweitert. Den Versicherten stehen immer mehr und komplexere Dienstleistungen zur Verfügung, die sie aber auch immer mehr nutzen. Dabei ist aber nicht immer jede Leistung, die genutzt wird, zweckmässig, wirksam, oder wirtschaftlich.

Wo fallen die Kosten und wo steigen sie?

Bei der obligatorischen Grundversicherung fallen mit Abstand die meisten Kosten an. Die Gesundheitskosten zwischen 1996 und 2007 stiegen um 47 Prozent. Die Kosten im gleichen Zeitraum bei der Grundversicherung hingegen stiegen auf überdimensionale 66 Prozent.

Von den gesamten Kosten der Grundversicherung fallen über fasst 50 Prozent bei den Spitälern an. Im Jahr 2006 wurde eine Kostensteigerung von 600 Millionen Franken im Bereich stationäre und ambulante Behandlung bei Spitälern festgestellt. Die Kosten für stationäre Behandlungen stiegen zwar durchschnittlich um 3.8 Prozent. Diese macht aber immer noch eine Kostensteigerung von 200 Millionen Franken aus. Der Bereich der ambulanten Versorgung in Spitälern verzeichnet mit Abstand das grösste Kostenwachstum. Die Zunahme im Jahr 2008 beläuft sich auf 12.7 Prozent respektive 400 Millionen Franken. Eine wichtige Rolle hier sind auch die Patienten. Sie lassen sich lieber notfallmässig im Spital behandeln, anstelle den Hausarzt aufzusuchen.

Die Verwaltungskosten im Gesundheitswesen hingegen sind im Vergleich mit den anderen Kosten eher tief. Mit den Verwaltungskosten werden Werbung, Sponsoring, Mutationen, Rechnungs- und Kostenkontrollen sowie Verhandlungen mit Ärzten und Spitälern bezahlt. Die Kosten hierfür betragen lediglich fünf Prozent. Im Vergleich zur SUVA sind diese Kosten sehr tief. Und die Invalidenversicherung sitzt hier auf einem Schuldenberg von einer Milliarde Franken.

Warum steigen die Prämien stärker als die Kosten?

Seit dem Jahr 2006 sind die Kosten des Gesundheitswesens und die Einnahmen der Prämien aus dem Gleichgewicht. Das heisst, ab diesem Zeitpunkt genügen die Prämien nicht mehr, um die Gesundheitskosten zu decken. Der überdurchschnittliche Prämienanstieg im 2010 ist auf eine kurzfristig orientiere Politik zurückzuführen, welche in den vergangenen Jahren politische Prämien durchgesetzt hat, die die Gesundheitskosten nicht decken.

Daraus resultiert, dass die zu tief festgesetzten Prämien hohe Verluste verursachten und dies zu mangelnden Reserven führten. Das Defizit im Jahr 2008 und 2009 beträgt rund 2.2 Milliarden Franken. Bis zum Jahr 2009 konnten die Krankenkasse die unzureichenden Prämien mit dem Abbau der Reserven decken. Daher sind im Jahr 2010 bei vielen Krankenkassen die Reserven unter das gesetzliche Minimum gesunken. Somit kann man die Defizite der Prämieneinnahmen nicht mehr mit den Reserven finanzieren. Natürlich müssen die zutief festgelegten Prämien und die daraus entstandenen Verluste wieder eingespielt werden. Dies wird auf den Prämienzahler mit einer satten Prämienerhöhung refinanziert. Das Aufstocken der Reserven, damit wenigstens die gesetzlichen erreicht werden, werden auch auf die Prämien abgewälzt.

Wie setzen sich die Prämien für 2011 zusammen?

Der Prämienanpassungsbedarf für 2011 beträgt im schweizerischen Durchschnitt 15.2 Prozent diese setzen sich aus folgenden drei Kostenfaktoren zusammen:

  • 3 Prozent für die Kostensteigerung im Jahr 2010, welche höher ausfiel als prognostiziert.
  • 5 Prozent für die prognostizierte Kostensteigerung für das Jahr 2011.
  • 7.2 Prozent für die Bildung von Reserven für das Jahr 2011 und die Rückstellungen für Leistungen aus dem Jahr 2010, welche erst 2011 abgerechnet werden.

Geld im Portmonee

Wie können die Kosten gedeckt werden?

Prämien sparen gleich Kosten sparen oder Kosten sparen gleich Prämien sparen. In Zukunft sollen die Prämien nicht mehr politisch, sondern versicherungstechnisch festgelegt werden. Dabei müssen die Prämien die steigenden Kosten der medizinischen Leistungen zu decken vermögen. Die Prämien müssen also den Kosten angepasst werden.