Abschalten und Entspannen durch Autogenes Training

Der Alltag vieler Menschen ist heutzutage oft hektisch und stressig. Insbesondere das Berufsleben fordert Berufstätige bisweilen stark. Überstunden sind an der Tagesordnung und selbst nach Feierabend sind viele Berufstätige gedanklich noch bei der Arbeit oder plagen sich mit anderen Sorgen. Hinzu kommt eine ständige Erreichbarkeit durch moderne Technik wie Laptop und Smartphone.

Bei alledem fällt es oft schwer, von einem hohen Stresslevel herunterzukommen oder gar einmal komplett abzuschalten. Nötig ist das allerdings schon. Steigende Fälle psychisch bedingter Arbeitsausfälle zeigen, wie wichtig es für Berufstätige ist, ihre innere Balance zu finden und zu halten. Eine Methode, die oft einen grossen Beitrag zur Wiederherstellung psychischer Ausgeglichenheit leisten kann, ist Autogenes Training.

Was ist Autogenes Training?

Autogenes Training ist eine Entspannungstechnik, die vom Psychiater Johannes Heinrich Schultz 1920 begründet wurde. Es handelt sich hierbei um eine Art „Selbsthypnose“, durch die man sich mit Hilfe von Autosuggestionen in einen Zustand versetzt, in dem man völlig ruhig und entspannt ist. Das sogenannte „Umschalten“ in diesen Entspannungszustand muss am Ende jeder Sitzung selbstverständlich wieder aufgehoben werden. Autogenes Training wirkt nicht nur beruhigend. Durch vermehrte Ausschüttung von Hormonen und gesteigerte Blutzirkulation kommt es darüber hinaus dazu, dass man sich rundum wohler fühlt.

Zunächst wurde diese Technik vor allem bei Menschen mit psychischen Störungen und psychosomatischen Krankheitsbildern eingesetzt. Inzwischen hat man das Potential dieser Methode aber ausgiebig experimentell erforscht und das Einsatzgebiet des Autogenen Trainings ausgeweitet. So bringt das Verfahren nicht nur Hilfe bei Depressionen sowie Angst- und Schlafstörungen, sondern wird inzwischen auch vermehrt bei Personen angewendet, die dauerhaft unter starker nervlicher Belastung stehen und lernen müssen, den Berufs- und Alltagsstress loszulassen.

Neben einer tiefen Entspannung und Ruhefindung kann Autogenes Training ausserdem die Gedächtnisleistung und das Konzentrations- vermögen steigern. Sogar bei der Rauchentwöhnung liefert die Methode als unterstützendes Element bisweilen gute Ergebnisse.

Wichtig für Autogenes Training: eine bequeme Haltung!

Autogenes Training sollte man in einer möglichst bequemen Haltung ausüben. Man kann die Übungen wahlweise im Sitzen, im Liegen oder in der sogenannten „Droschkenkutscherhaltung“ ausführen. Bei der „Droschkenkutscherhaltung“ sitzt man vorgebeugt auf einem Stuhl und stützt dabei die Ellenbogen oder die Hände auf die Oberschenkel.

Damit das Autogene Training den gewünschten Erfolg bringt, ist es wichtig, sich die Übungen von einem ausgebildeten Trainer in einem Kurs vermitteln zu lassen. Die Formeln, die der Trainer dem Übenden auf den Weg gibt, sollten derjenige daraufhin täglich Zuhause durchführen. Falls man bei einem Krankenversicherer eine passende Zusatzversicherung abgeschlossen hat, zahlt die Krankenkasse die Kosten für solche Anleitungskurse. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Therapie bei einem von den Krankenkassen anerkannten Therapeuten durchgeführt wird.

Einige Grundübungen

Um den Körper in den erwünschten Ruhemodus zu schalten, bedient man sich bestimmter Autosuggestionen, die man mehrmals wiederholt.

  • Ruheformel: Ich bin ganz ruhig.
  • Schwereübung: Mein rechter Arm wird schwer.
  • Wärmeübung: Mein rechter Arm ist ganz warm.
  • Atemübung: Mein Atem fliesst ganz gleichmässig und ruhig.
  • Herzübung: Mein Herz schlägt ruhig und gleichmässig.
  • Sonnengeflechtsübung: Mein Sonnengeflecht verströmt eine wohlige Wärme. Ziel der Übung ist, dass die Körpermitte sich entspannt und die Verdauungsorgane reguliert werden.
  • Kopf- oder Stirnübung: Meine Stirn ist angenehm kühl. Diese Übung soll einen klaren Kopf erzeugen.

Diese Formeln sind lediglich Beispiele für die sieben Grund-Übungen im Autogenen Training. Den konkreten Wortlaut der einzelnen Übungen kann man jeweils auf individuelle Bedürfnisse oder Beschwerden der betreffenden Person anpassen.

Weitere Techniken

Nach Erlernen der Grundübungen gibt es diverse weitere Techniken der Mittelstufe sowie Oberstufe im Autogenen Training. Diese Phasen bedienen sich vor allem visueller Elemente, die in der Oberstufe bis zu Bilderreisen führen. Führt man die Übungen der Oberstufe regelmässig aus, kann dies auch zu einer gesteigerten Selbsterkenntnis führen und bei der Persönlichkeitsentwicklung helfen.

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