Bund prüft Franchisen: Einschränkung der Wahl?

Gesunde müssen in Zukunft vielleicht höhere Prämien bezahlen. Der Bund prüft nämlich derzeit die aktuellen Wahlfranchisen. Grund für die Überprüfung des Prämiensystems ist die Tatsache, dass dass durch die Wahlfranchisen die Solidarität in der Grundversicherung geschwächt wird. Deshalb prüft Gesundheitsminister Berset die Auswahl der Franchisen einzuschränken.

Selbstverantwortung durch Wahlfranchisen

„Ziel der Wahlfranchisen war, dass sich die Versicherten selbstverantwortlicher verhalten, da sie sich stärker an den Kosten beteiligen und entsprechend tiefere Prämien bezahlen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass höhere Kostenbeteiligungen heute nur teilweise dazu führen, dass Leistungen zurückhaltender in Anspruch genommen werden. Gesunde Versicherte nutzen die Wahlfranchisen unter anderem, um Prämien zu sparen. Dies kann dazu führen, dass die Solidarität in der sozialen Krankenversicherung geschwächt wird“ heisst es im Faktenblatt „Weniger Franchisestufen“ des Bundesamtes für Gesundheit (BAG).

Strategie „Gesundheit 2020“

Die Prämiengestaltung wird im Rahmen der Strategie „Gesundheit 2020“ überprüft. Die Strategie wurde 2013 mit dem Ziel verabschiedet, in allen Bereichen des Gesundheitssystems die Lebensqualität zu sichern, die Chancengleichheit zu stärken, die Versorgungsqualität zu erhöhen und die Transparenz zu verbessern. Dadurch soll das Schweizer Gesundheitssystem optimal auf die kommenden Herausforderungen ausgerichtet und gleichzeitig bezahlbar gehalten werden.

Prämienrabatte bis zu 1540 Franken

Aktuell können Erwachsene und junge Erwachsene zwischen fünf verschiedenen Prämienstufen wählen: 500, 1000, 1500, 2000 und 2500 Franken. Je nach Franchise beträgt der Prämienrabatt für die versicherte Person bis zu 1540 Franken. „Der Bundesrat bestimmt die Franchise und setzt für den Selbstbehalt einen jährlichen Höchstbetrag fest“ wie in Art. 64 des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) geregelt ist. Weiter ist gesetzlich festgehalten, dass sich die Versicherten an den Kosten der für sie erbrachten Leistungen beteiligen müssen. Die Beteiligung besteht aus einem festen Jahresbetrag (Franchise) und 10 Prozent der die Franchise übersteigenden Kosten (Selbstbehalt) (Quelle: Art. 64 KVG). Weniger Wahlfranchisen würden nicht nur der Solidarität in der Grundversicherung dienen, sondern zusätzlich das Versicherungssystem vereinfachen.

Seitens der Krankenversicherungen wird diese Überprüfung kritisch beurteilt. Ihr Dachverband Santésuisse vertrete die Auffassung, dass die Wahlfranchisen die Selbstverantwortung der Versicherten stärkten, wie auf nzz.ch zu lesen ist. Eine Reduktion der Auswahl würde also vorwiegend die Selbstverantwortung schwächen.