Gesundheit am Arbeitsplatz durch Prävention

Arbeit, die einen ausfüllt und nicht überfordert, trägt oftmals erheblich zu einem positiven Lebensgefühl bei. Umgekehrt können belastende Arbeitsbedingungen sehr negativ auf die Psyche wirken. Je nach Grad der Belastung können solche Probleme so gross werden, dass eine vorübergehende oder dauerhafte Arbeitsunfähigkeit die Folge ist.

Was wie stark als Gesundheitsfaktor empfunden wird, der einer Überlastung entgegenwirkt, ist nicht bei allen ArbeitnehmerInnen gleich. Das hat jüngst der Versicherer Helsana im Rahmen einer Studie herausgefunden. Die Krankenversicherung bietet mit der Software „Tree“ für Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch ein Programm zur Früherkennung, mit dem sich Gesundheitsprobleme durch den Arbeitsplatz frühzeitig erkennen lassen.

Wann fühlt man sich wohl am Arbeitsplatz?

Im Rahmen der Studie hat Helsana über 4000 Mitarbeitende diverser Berufe und Branchen anonym zu ihrem Befinden befragt. Daraus wurden Verhaltensprofile analysiert und Verhaltensgrundmodelle entwickelt, berichtet Denise Camenisch in einem Interview auf der Seite zur Berichterstattung der Helsana-Gruppe. Denise Camenisch ist Leiterin Care und Case Management bei Helsana und zudem Fachautorin des Buches „Früherkennung – Zwischen Wohlbefinden und Krankheit“. Helsana unterscheidet in seiner Studie folgende fünf Arbeitsprofile, denen jeweils unterschiedliche Gesundheitsfaktoren zugeordnet werden:

  • Tätigkeit mit normaler geistiger Komplexität (z.B. Sachbearbeiter): Zeitdruck und Unterbrechungen sind laut Helsana gesundheitsrelevant, wobei der Fokus der Arbeitnehmer aus dieser Kategorie auf guten Arbeitsbeziehungen liegt.
  • Komplexe geistige Aufgaben, ohne Führungsfunktion: Die Arbeitslast ist ein wichtiger Gesundheitsfaktor. Zudem ist es relevant, ob der jeweilige Arbeitnehmer das Gefühl hat, im richtigen Job zu sein und sinnvolle Arbeit zu leisten.
  • Komplexe geistige Aufgaben, mit Führungsfunktion (z.B. Chefarzt): Auch hier spielt die Sinnhaftigkeit der Arbeit eine wichtige Rolle, zudem beeinflussen laut Helsana das Berufsumfeld, die Jobzufriedenheit sowie die Arbeitslast direkt das Wohlergehen.
  • Körperliche Arbeit, ohne Führungsaufgabe (z.B. Schreiner): Wichtig ist es hier, ob die jeweilige Person ohne Druck arbeiten kann und ob das Abschalten nach der Arbeit gelingt.
  • Körperliche Arbeit, mit Führungsaufgabe (z.B. Schreinermeister): Hingabe und Zufriedenheit sind wesentlich für die Gesundheit dieser Personen, die Arbeitslast ist es jedoch ebenfalls, schreibt Helsana zu den Gesundheitsfaktoren dieser Gruppe.

Die teils grossen Abweichungen zwischen den Profilen hat auch Denise Camenisch überrascht, bekennt sie im Interview auf Berichterstattung.Helsana.ch.

Probleme durch Arbeitsbelastung sind kein Randphänomen

„24,8 % der Erwerbstätigen sind an ihrem Arbeitsplatz übermässig belastet“, berichtet Gesundheitsförderung Schweiz am 20. Oktober. Die Zahl stammt aus einer Studie, die von der Gesundheitsförderung in Zusammenarbeit mit der Universität Bern und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften durchgeführt wurde. Weitere Ergebnisse dieser Studie: „24.0% der Erwerbstätigen berichten von einer ziemlich bis sehr hohen und 16.1 % von einer leichten Erschöpfung“.

Arbeitsbelastung und Erschöpfung können zu permanenten psychischen Leiden führen. Und die zählen laut Helsana heute zu den häufigsten Erkrankungen in der Schweiz. Psychische Krankheiten verursachen laut Schätzung des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums volkswirtschaftliche Kosten in Höhe von mehr als 11 Milliarden Franken pro Jahr. 2010 standen sie für 43 Prozent der Neuberentungen und die Tendenz ist steigend, heisst es auf der Helsana-Seite weiter.

Software „Tree“ bietet Früherkennnung!

Ob ein Mitarbeiter invaliditätsgefährdet ist, lässt sich mit der von Helsana entwickelten Software „Tree für Arbeitgeber und Arbeitnehmer“ frühzeitig erkennen, was die Chancen für die berufliche Wiedereingliederung des Betroffenen massiv erhöht. „Tree“ wird 2015 in einer Pilotphase getestet und anschliessend zunächst als Software für Arbeitnehmer zur Verfügung stehen. Eine öffentliche Version für Arbeitgeber wird es zu einem späteren Zeitpunkt geben. „Die Software orientiert sich an den Kriterien der Gesundheitsklassifizierung der WHO (World Health Organization) sowie an branchen- und rollenspezifischen Kriterien“, berichtet Helsana.ch.

Auch gute Prävention ist etwas Individuelles

Den für alle Personen richtigen Königsweg, um eine psychische Überlastung durch den Arbeitsplatz zu verhindern, gibt es nicht. Bausteine, die das individuelle Überlastungsrisiko möglicherweise senken, sind etwa Veränderungen am Arbeitsplatz, aber auch ein Ausgleich im Privatleben. Für solch einen Ausgleich können sich Kurse eignen, die Entspannungstechniken lehren, wie beispielsweise die Sophrologie, Fitnesstrainings und andere Kurse. Wer häufig auf solche Kurse setzt, sollte darüber nachdenken, eine passende Zusatzversicherung abzuschliessen, die sich an den Kosten solcher Kurse beteiligt.

Link zum Text: Job-Stress-Index 2014