Heilpflanzen: Die besondere Wirkung der Hildegard-Medizin

Hildegard von Bingen ist weltberühmt. Als gelehrte Ordensfrau war sie unter anderem Künstlerin, Mystikerin und Dichterin und widmete sich auch der Medizin. Bis heute bekannt sind die sogenannten Hildegard-Kräuter, also Heilpflanzen, denen Hildegard von Bingen eine ganz besondere medizinische Wirkung nachsagte. Gemeint sind hier beispielsweise Bertram, Meisterwurz, Galgant und Quendel. Bis heute haben Bingens Erkenntnisse Einfluss auf Teile der modernen Heilkunde. Fliessen sie in moderne Phytotherapie anerkannter Therapeuten ein, beteiligt sich die Obligatorische Grundversicherung an den Kosten.

Klosterheilkunde, Hildegard-Medizin und Phytotherapie

Hildegard von Bingen lebte zwischen 1098 und 1179, also in einer frühen Phase des Hochmittelalters, und ist heute unter anderem als Verfasserin naturheilkundlicher Werke bekannt. Ihr Wirken fällt in eine Phase, in der die Heilkunde vor allem Aufgabe von Klöstern gewesen ist. Nach dem 12. Jahrhundert verloren die Klöster ihre Bedeutung für die Heilkunde zunehmend, wobei es jedoch für die von ihnen gesammelten Erkenntnisse immer wieder Phasen eines erneuten Bedeutungsgewinns gab. Bis zum heutigen Tag spielt die Klosterheilkunde eine gewisse Rolle in der Heilkunst.

Auch Hildegard von Bingens Erkenntnisse sind nicht untergegangen. Sie waren beispielsweise Inspiration für die sogenannte Hildegard-Medizin, die 1970 vom österreichischen Arzt Gottfried Hertzka eingeführt wurde. Zur Hildegard-Medizin gehören neben Elementen der Pflanzenheilkunde Therapien wie Aderlass und Fasten sowie eine „seelische Reinigung“, etwa durch Meditation. Kritiker sehen allerdings keinen wirklichen Bezug zu Hildegard von Bingen und vertreten die Ansicht, dass die Hildegard-Medizin nur bedingt bis gar nicht auf ihre traditionelle Heilkunde zurückzuführen ist.

Phytotherapie ist ein Fachbegriff für Pflanzenheilkunde und integriert damit sowohl Teile der Klosterheilkunde als auch der Heilkunst von Hildegard von Bingen, die wiederum als Teil der Klosterheilkunde verstanden werden kann. Die rationale Phytotherapie ist eine Variante der Phytotherapie, bei der man vor allem naturwissenschaftliche Massstäbe für die Wirksamkeitsprüfung nutzt. Teile der Klostermedizin werden auch von der rationalen Phytotherapie akzeptiert.

Was sind Hildegard-Kräuter?

Hildegard-Kräuter sind Pflanzen, denen Hildegard von Bingen eine besondere gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben hat. Zu ihnen gehören Meisterwurz, das gegen Fieber helfen soll, der zu den Ingwergewächsen gehörende Echte Galgant, der laut Hildegard von Bingen unter anderem bei Magenproblemen und Kreislaufschwäche helfen kann. Quendel (wilder Thymian) soll wiederum gut gegen Kopfschmerzen sein.

Hildegard-Kräutermischungen kann man beispielsweise im Onlineversand kaufen. Allerdings sollte man Selbsttherapien mit ihnen nur in einem sehr begrenzten Umfeld durchführen. Diagnosen sollte man ÄrztInnen überlassen. Neben der Eigentherapie sind natürlich auch von Phytotherapeuten durchgeführte Therapien möglich, aber auch hier gilt. Für diejenigen, die sich für eine Phytotherapie entscheiden und für diejenigen, die eine Phytotherapie durchführen, ist es wichtig, Grenzen der Phytotherapie nicht zu ignorieren.

Zahlt die Krankenkasse?

Phytotherapie gehört seit 2012 zu den Leistungen, deren Leistungen teils auch von der Obligatorischen Grundversicherung finanziert werden. Allerdings finanzieren passende Zusatzversicherungen deutlich mehr Arten der komplementärmedizinischen Behandlung und gehen auch bei der Finanzierung der Phytotherapie teils über die Grundversicherung hinaus. Wer häufiger auf Komplementärmedizin setzt, sollte deshalb über den Abschluss einer passenden Zusatzversicherung nachdenken.

Link zum Text: Komplementärmedizin