Kinesiologie – was ist das, wer übernimmt die Kosten?

Grob gesagt heisst „Kinesiologie“ soviel wie Bewegungslehre. Es wäre allerdings sehr verkürzt, den Begriff „Bewegung“ in der Kinesiologie alleine auf Bewegungen im engeren Sinne wie Gehen, Laufen und Greifen zu beschränken. Stattdessen geht es beispielsweise auch um Gedanken und Emotionen: Sie werden von Kinesiologie-Therapeuten ebenfalls als Bewegung verstanden. All diese „Bewegungen“ kommen laut der Lehre der Kinesiologie aufgrund des Energieflusses im Körper zustande. Ernährung, Stoffwechsel, psychische und weitere Faktoren beeinflussen diesen Energiefluss und können ihn auch stören bzw. blockieren. Das Konzept des Energieflusses ist angelehnt an die Philosophie der Traditionellen Chinesischen Medizin. „Die Kinesiologie setzt unterschiedliche Methoden ein, um Energien auszubalancieren“, heisst es auf KineSuisse.ch, dem Berufsverband für Kinesiologie.

Diagnoseverfahren: Muskeltest

Den Muskeltest bezeichnet der Berufsverband für Kinesiologie als „das zentrale Arbeitsinstrument der Kinesiologie“, mit dem Ungleichgewichte im Energiesystem aufgedeckt und geeignete Ausgleichstechniken gefunden werden. Wie ein Muskeltest funktioniert, hat beispielsweise die Süddeutsche Zeitung bereits 2010 beschrieben. Der Patient hält seinen Arm auf Anweisung des Therapeuten rechtwinklig zur Seite, berichtet die Zeitung. Anschliessend versucht der Therapeut, den Arm des Patienten gegen dessen Willen herunterzudrücken, heisst es weiter. Falls das gelingt, spricht das für eine Störung, die beseitigt werden sollte, da ein Herunterdrücken des Arms gegen den Willen des Patienten bei einem störungsfreien Organismus nicht möglich ist. Das Herunterdrücken des Arms werde jedoch bereits möglich, so die Zeitung, wenn der Patient in der anderen Hand „ein ungesundes Nahrungsmittel (z.B. Zucker) oder ein ungeeignetes Medikament“ halte. Dinge wie diese Nahrungsmittel oder Medikamente sind sogenannte Stressoren, die die Bewegungsabläufe beeinträchtigen.

Kinesiologie beschreibt kein einheitliches Verfahren

Um die Ungleichgewichte im Energiesystem zu beseitigen, gibt es im Rahmen der Kinesiologie verschiedene Therapiemethoden. Sie können Bewegungsübungen beinhalten, Medikamente einsetzen oder mit der Aktivierung von Körperpunkten arbeiten. Innerhalb der Kinesiologie wurden diverse Konzepte entwickelt, die sich zwar in Grundsätzen ähneln und alle mit Muskeltests arbeiten, die aber ansonsten teils deutliche Unterschiede aufweisen. Die Konzepte tragen Namen wie Applied Physiology, Educating Alternatives oder Emotionale Revolution. Die Zielsetzungen unterscheiden sich bei den verschiedenen Konzepten teilweise ebenso wie die Methoden: So dient etwa das Kinesiologie-Konzept LEAP (Learning Enhancement Program) als ein „System zur Steigerung der Lernfähigkeit“, heisst es auf KineSuisse.ch.

„Kinesiologie lässt sich einerseits als Gesundheitsvorsorge, andererseits auch bei allen krankheitsbedingten energetischen Ungleichgewichten erfolgreich einsetzen“, schreibt der Berufsverband für Kinesiologie. Manch ein Therapeut wird da noch etwas konkreter und beschreibt Kinesiologie als unter anderem wirksam gegen Stress, Angst, Allergien, Schmerzen und Verletzungen. Viele Therapeuten weisen aber auch darauf hin, dass Kinesiologie kein Ersatz für Schulmedizin sein soll, sondern nur eine Ergänzung. Man sollte das ernst nehmen: Ein wissenschaftlich abgesichertes Heilverfahren ist die Kinesiologie nicht und auch wenn man dieser Variante der Alternativmedizin vertraut, sollte das nicht zugleich eine komplette Abkehr von schulmedizinischen verfahren bedeuten, um der eigenen Gesundheit bestmögliche Dienste zu leisten.

Zusatzversicherungen bieten Kostenübernahme

Die Kinesiologie wird nicht von der Grundversicherung bezahlt. Allerdings gibt es passende Zusatzversicherungen, die die Kosten einiger Varianten (!) der Alternativmedizin übernehmen. Bei der Auswahl der jeweiligen Versicherung sollte man nicht nur schauen, ob GENERELL Kosten für Alternativmedizin bezahlt werden, sondern auch, für WELCHE ARTEN von Alternativmedizin die Versicherung Kosten übernimmt. Ebenfalls wichtig: Als potenzieller Versicherungsnehmer sollte man schauen, wie weit der nächste von der Versicherung anerkannte Therapeut, der Kinesiologie anbietet, vom eigenen Wohnort entfernt ist. Ist die Entfernung zu weit, macht ein Abschluss der Versicherung keinen Sinn. Wiederum andererseits gilt allerdings: Man sollte sich stets das gesamte Leistungspaket der jeweiligen Versicherung ansehen und entscheiden, was für einen selbst nützlich klingt und was eher nicht. Überwiegt das individuell Nützliche, wird ein Versicherungsabschluss möglicherweise zu einer interessanteren Option.