Komplementärmedizin: Was ist Eutonie? Eine Definition.

Kann Räkeln und ein Strecken des Körpers zu einer Therapie gehören? Ja. Durchaus. Bei der Eutonie ist genau das der Fall. Sie ist sowohl ein Teil der Komplementärmedizin wie der Pädagogik, weil sie Patienten ein verbessertes Körperbewusstsein lehren soll. Entwickelt wurde sie von der 1908 in Barmen (Deutschland) geborenen Gerda Alexander, die in Wuppertal rhythmische Erziehung studiert hat.

Der Schweizerische Berufsverband für Eutonie Gerda Alexander (SBEGA) empfiehlt Eutonie als Beitrag zur Therapie bei einer ganzen Reihe gesundheitlicher Probleme, zu denen eine Beeinträchtigung des Bewegungsapparats und Durchblutungsstörungen gehören. Die Obligatorische Grundversicherung zahlt für Eutonie allerdings nicht. Dafür beteiligen sich passende Zusatzversicherungen an den Kosten.

Was ist Eutonie?

„Die Eutonie (griech. „eu“ = harmonisch, „tonos“ = Spannung) Gerda Alexander ist eine Form der Körperarbeit, die darauf abzielt, dem Übenden zu einer ausgewogenen Körperspannung und somit zu einem besseren Körperbewusstsein zu verhelfen.“ So definiert das ErfahrungsMedizinische Register (EMR), das sich für Qualitätssicherung in der Erfahrungsmedizin einsetzt, die Eutonie. Der Therapie geht laut EMR die Vorstellung voraus, dass die Grundspannung der Muskulatur (Tonus) eng mit den Gefühlen eines Menschen korrespondiert. Mit der Eutonie soll der Patient befähigt werden, Körperspannung bewusst zu beeinflussen, um eine individuelle Wohlspannung zu erreichen.

„Eutonie Gerda Alexander® ist eine Körperarbeit… Eigenverantwortlich lassen sich körpergerechte Haltungen und Bewegungen finden“ schreibt der Schweizerische Berufsverband für Eutonie Gerda Alexander (SBEGA) und gibt Interessenten auch einige Informationen zu Übungen, die im Rahmen der Eutonie ablaufen. Grundsätzlich gilt aber: Ein starres Programm wird bei der Eutonie nicht durchlaufen. Stattdessen stimmt der Therapeut die Therapie individuell auf den jeweiligen Patienten ab.

Als Beispiele für Übungen nennt der Berufsverband unter anderem das Rollen eines Tennisballs unter dem Fuss, Druck gegen den Boden oder die Wand entwickeln, Räkeln, Strecken oder Dehnen des Körpers. Dabei, so der Verband, regt der Eutonie-Pädagoge „zum achtsamen Berühren, Spüren, Bewegen oder Loslassen an und lenkt die Aufmerksamkeit auf bestimmte Körperteile, Empfindungen oder Auswirkungen“.

Gerda Alexander: eine Pädagogin aus Barmen

Entwickelt wurde die Eutonie von der 1908 geborenen und 1994 gestorbenen Pädagogin Gerda Alexander, die von der Reformpädagogik beeinflusst wurde und in Wuppertal studiert hatte. In den 30er Jahren hatte sie damit begonnen, ihre eigene Variante der Körperarbeit zu entwickeln. Nach der Machtübernahme der Nazis in Deutschland emigrierte sie nach Dänemark und erst 1959 nannte Gerda Alexander ihre Form der Körperarbeit erstmals Eutonie.

Bei der Entwicklung dieser Körperarbeit wurde Gerda Alexander auch durch eigene Erkrankungen beeinflusst, die sie selbst dazu führten, den eigenen Körper sehr bewusst zu erleben und zu erforschen. Das wollte Gerade Alexander mit der Eutonie auch anderen Menschen ermöglichen. Sie wollte, „dass die Menschen ihre eigenen Bewegungsformen entdecken und ihre Kreativität entfalten und so Unterstützung finden in ihrem Streben nach persönlicher Entwicklung“, formuliert es der SBEGA.

Eutonie kann hilfreich bei vielen Erkrankungen sein

Laut SBEGA kann Eutonie nicht nur bei den bereits erwähnten Beeinträchtigungen des Bewegungsapparats und bei Durchblutungsstörungen helfen, sondern unter anderem auch bei Rückenschmerzen und Migräne, nach einem Schlaganfall, bei Stress, Hautproblemen und depressiven Stimmungen. Passende Zusatzversicherungen übernehmen einen Teil der Kosten von Eutonie-Behandlungen. Ein Beispiel dafür ist die Zusatzversicherung NATURA des Versicherers Assura. Sie beteiligt sich an den Kosten von 24 komplementärmedizinischen Therapien, die nicht von der Obligatorischen Grundversicherung übernommen werden. Weitere passende Angebote können beispielsweise anhand von verschiedenen Offerten herausgefunden werden.