Krankenkassen: der unterschätzte Wert der Telemedizin

Günstige Prämien sind einer der Hauptargumente, sich für oder gegen einen Krankenversicherer zu entscheiden. Beim Abschluss von Zusatzversicherungen kommen die unterschiedlichen Leistungen der jeweiligen Angebote als Entscheidungskriterien hinzu. Ähneln sich Angebote verschiedener Versicherer, werden häufig noch weitere Kriterien entscheidend. Eins davon können die kostenlosen telefonischen Beratungs- und Betreuungsangebote der Versicherungsgesellschaften sein. Sie bilden einerseits einen wichtigen Pfeiler der telemedizinischen Modelle in der Grundversicherung. Andererseits stehen sie oft allen oder den meisten Versicherten einer Versicherungsgesellschaft zur Verfügung und ergänzen deren allgemeines Leistungsspektrum. Neben allgemeinmedizinischen Hotlines gibt es auch spezielle, etwa Beratung zur Alternativmedizin oder aber psychologische Soforthilfe. Den Wert solcher Angebote sollte man nicht unterschätzen.

Telemedizinische Dienste: das Beispiel SWICA und sante24!

Aus Sicht des Versicherten sollen Krankenkassen in medizinischen Fällen möglichst alle Kosten übernehmen. Das ist meistens das allererste, was von einer Krankenversicherung erwartet wird, und diese Erwartung ist verständlich. Nicht unterschätzen sollten Versicherte jedoch den Wert von Wissen, das Experten im Dienste von Krankenkassen bei kostenlosen Telefonberatungen weitergeben. Naheliegendes Thema solcher Beratungen ist natürlich die Gesundheitsberatung. Für sie arbeitet etwa der Versicherer SWICA mit der santémed Gesundheitszentren AG zusammen und bietet seinen Versicherten dank der Kooperation die Gesundheitsberatung sante24 an.

“Erfahrene Ärzte und medizinisches Fachpersonal von sante24 beraten Sie kompetent bei allen Fragen zu Krankheit, Unfall, Prävention und Mutterschaft” schreibt SWICA selbst. Dieser Service steht den Versicherten ganztägig und jeden Tag im Jahr zur Verfügung. Das gilt für alle Versicherten. Der Unterschied zu telemedizinischen Versicherungsmodellen: Versicherte mit diesen Modellen treffen die Vereinbarung, das Telemedizin-Angebot immer als erste Anlaufstelle zu nutzen, und können dafür auf reduzierte Prämien bauen.  Bei SWICA heisst das telemedizinische Modell „Favorit Telmed“. Andere Versicherte können sante24 nutzen, haben dabei aber stets die freie Entscheidung, auch sofort persönlich zum Arzt zu gehen.

Wichtig ist es bei medizinischen Hotlines, dass Telemediziner stets ihre Grenzen kennen. Sie müssen sorgfältig entscheiden, wo telefonische Ratschläge bereits reichen und wo AnruferInnen beim Arzt/der-Ärztin persönlich vorsprechen müssen. Im Zweifelsfall muss immer gelten, dass die persönliche Vorsprache empfohlen wird.

Nischenthemen und telefonische Hilfe gehen auch

Das Angebot telefonischer Beratung geht teils über allgemeine medizinische Beratung hinaus. So bieten Versicherer bisweilen zusätzlich eine spezielle Beratung rund um das Thema Komplementärmedizin an. Helsana macht das beispielsweise mit seinem Beratungstelefon „Komplementärmedizin“. Das Beratungsteam unterstützt Anrufer unter anderem dabei, eine geeignete komplementärmedizinische Therapie zu wählen sowie „einen anerkannten Arzt, Naturheilpraktiker oder Komplementärtherapeuten zu finden”. Auch hier geht es bei der telefonischen Beratung nicht alleine um die Möglichkeiten, sondern auch um die Grenzen von a) der telefonischen Beratung und b) der Komplementärmedizin. Die Berater sind geschult und schicken den Anrufer im Zweifelsfall zum Arzt.

Helsana bietet zusätzlich eine „psychologische Soforthilfe nach belastenden Ereignissen” an. Anrufer können sich bei der für Helsana-Versicherte kostenlosen Notrufnummer melden und werden dann innerhalb von 24 Stunden zurückgerufen. Helsana garantiert professionelle Unterstützung durch „bestens qualifizierte Psychologinnen und Psychologen“ sowie durch eine Beratung, die „einfühlsam und absolut vertraulich“ ist. Die Hotline ist rund um die Uhr erreichbar. Als Beispiele für stark belastende Ereignisse, in denen ein Anruf bei der psychologischen Soforthilfe sinnvoll sein kann, nennt Helsana unter anderem die „Diagnose einer schweren oder gar lebensbedrohlichen Krankheit“, den „Tod einer nahestehenden Person“, „häusliche und andere Gewalt“ sowie „akute Belastungen und Überlastungen in Familie oder Beruf“.

Krankenkassen: Es geht nicht nur ums Zahlen im Therapiefall!

Krankenkassen verstehen sich mehr und mehr als ganzheitliche Dienstleister rund um die Gesundheit ihrer Versicherten. Bei der Auswahl des Versicherers, bei dem man seine Grundversicherung und eventuelle Zusatzversicherungen abschliesst, sollte man sich deshalb auch einmal ansehen, welche Zusatzangebote die Versicherer neben den eigentlichen Versicherungslösungen im Programm haben. Bisweilen können sie den Ausschlag geben, sich für das Angebot eines bestimmten Versicherers zu entscheiden.