Rabatte bei Prämien dank Fitnessdaten?

Sport und Bewegung macht Spass und ist gesund. Immer mehr Menschen verlassen sich bezüglich ihrer Gesundheit nicht mehr nur auf ihr Körpergefühl. Die eigene Gesundheit wird zunehmend mit Hilfe von technischen Geräten wie Smartphone, Fitness-Tracker oder anderen so genannten Wearables, also Hilfsmittel, die man stets am Körper trägt um kontinuierlich verschiedene Werte zu überwachen oder erfassen, kontrolliert. Die Beobachtung des eigenen Körpers anhand von Daten hat sowohl Vorteile, als auch Nachteile. Bisher werden die erfassten Werte vorrangig für persönliche Zwecke genützt. Dies könnte sich jedoch bald ändern. Krankenversicherungen könnten solche Daten verwenden, um die Prämien individuell gezielter festzusetzten. In den USA beispielsweise gibt es bereits Versicherungen, die Fitnessdaten aufzeichnet. In der Schweiz ist dies bislang jedoch noch nicht der Fall.

Die Vorteile und Nachteile von Self-Tracking

63 Prozent der 1100 TeilnehmerInnen einer Studie von 20 Minuten zum Self-Tracking überwachen ihre Gesundheit gemäss eigenen Angaben anhand von Fitnessdaten. 54 Prozent nutzen dafür ihr Smartphone, 46 Prozent setzen auf andere technischen Hilfsmittel. Vorwiegend werden laut der Studie die zurückgelegten Schritte, die Kalorien und der Schlaf kontrolliert. Die Herzfrequenz wird hingegen am wenigsten aufgezeichnet.

Dieser Trend hat zahlreiche Vorteile, aber auch Nachteile. Was Erstere anbelangt, kann es Spass machen, mehr über die eigene Leistung und Gesundheit zu erfahren. Zudem können die Daten ausgetauscht werden und das höhere Bewusstsein für den Körper kann zu einem gesünderen Lebensstil führen, wie Florian Schumacher, Pionier der Quantified-Self-Bewegung in Deutschland, gegenüber srf.ch erörtert. Der Soziologe und Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Furtwangen, Stefan Selke, steht der digitalen Selbstüberwachung jedoch etwas kritischer gegenüber. Er bezeichnet in einem Artikel auf srf.ch das Self-Tracking als „Scheinobjektivität“. Der Körper sei etwas Ganzheitliches, das nicht aufgrund von ein paar Daten erfasst werden kann. Zudem verleite die ständige Überwachung zu einer Überdiagnose, welche die Gefahr berge, dass die Menschen vergessen, das Leben zu geniessen. Schumacher merkt jedoch an, dass gemäss einer Studie 30 Prozent derjenigen Personen, die solche Gadgets verwenden, diese als Bereicherung empfinden.

Zukunft: Prämienrabatte aufgrund von Fitnessdaten?

In der Schweiz sind solche Daten bisher vorwiegend dem persönlichen Gebrauch vorbehalten. Aber es gibt bereits einige Ausnahmen: Swiss Re zum Beispiel hat ihren Angestellten ein Gerät zur Verfügung gestellt, mit dem die tägliche Schrittzahl erfasst wird – auf freiwilliger Basis und gekoppelt mit einem Wettbewerb, wie es auf srf.ch heisst.

Persönliche Fitnessdaten könnten nicht nur für Arbeitgeber von Interesse sein, sondern auch für Krankenkassen. In den USA wird von solchen Daten bereits gebrauch gemacht: In New York sammelt ein Krankenversicherer die Daten seiner Kunden anhand von Wearables oder Smartphones und zahlt den Leuten einen Bonus dafür, dass sie sich gesund halten. Aber auch in Europa gibt es bereist erste Vorstösse in diesen Bereich. Als erste grosse Versicherung in Europa hat die Generali-Gruppe eine elektronische Fitness-Kontrolle lanciert. Die Fitnessdaten werden via App an die Krankenkasse übermittelt. Wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt, verschenkt der Versicherer in einer ersten Phase Gutscheine fürs Fitnessstudio oder Reisen. Später sollen auch Vergünstigungen der Prämien möglich sein. Der Schweizer Ableger von Generali hat diese App nicht, wie auf blick.ch zu lesen ist.

Versicherte würden Daten weitergeben

Grundsätzlich sei in der Schweiz das Modell Fitnessdaten gegen Rabatte bei der obligatorischen Versicherung nicht möglich, wie Hanspeter Thür, Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter (Edöb), im Januar gegenüber 20 Minuten erklärte. Bei freiwilligen Zusatzversicherungen sei es aber eine Frage der Zeit, bis ein solches Modell eingeführt werde. Seitens der Versicherten jedenfalls ist die Bereitschaft, die eigenen Fitnessdaten weiter zu geben, teilweise bereits vorhanden. In der Studie von 20 Minuten gaben 51 Prozent der Leser an, dass sie die Gesundheits-Werte an eine Krankenkasse übermitteln würden. Nur 36 Prozent würden dies nicht tun und 13 Prozent sind sich noch unschlüssig. Ob sich ein solches Versichungsrabatt-System in der Schweiz tatsächlich durchsetzten wird, kann momentan noch nicht abgeschätzt werden. Momentan sei dies noch ein Experimentierfeld, wird Stefan Schumacher auf 20minuten.ch zitiert.

Link zum Text: Verfolgt auf Schritt und Tritt