Raucherentwöhnung – nun zahlen die Krankenkassen Champix

Champix von Pfizer ist in den letzten Tagen fast schon so etwas wie ein Medienstar geworden. Als erstes Medikament zur Rauchentwöhnung ist es in der Schweiz jetzt kassenpflichtig. Krankenkassen müssen Menschen mit schwerer Nikotinabhängigkeit daher nun eine Therapie mit dem Medikament bezahlen. Aber was genau ist Champix? Und bringt die Kassenpflicht vielleicht auch den Versicherern etwas? Sprechen wir doch einmal ein bisschen intensiver über die Rauchentwöhnung mit Champix.

Vareniclin – der Wirkstoff von Champix

Der Wirkstoff des nun in der Schweiz kassenpflichtigen Medikaments Champix heisst Vareniclin. Entwickelt wurde er in den USA, wo er als „Chantix“ vertrieben wird. Eine Zulassung für Europa existiert seit 2007, wobei das Medikament hier den Namen „Champix“ trägt und der Vertrieb in Ländern wie der Schweiz und  Deutschland vom Unternehmen Pfizer übernommen wird. Wikipedia schreibt zum Wirkstoff Vareniclin: „Vareniclin ist ein Partialagonist an Nikotinrezeptoren des Subtyps α4β2, der für eine suchterzeugende Wirkung des Nikotins mitverantwortlich zu sein scheint.“ Schlüsseln wir diese Aussage ein wenig auf: Partialagonisten sind Wirkstoffe, die anstelle eines anderen Stoffes an menschlichen Rezeptoren wirken. Rezeptoren sind wiederum Zellen, die chemische oder physikalische Impulse in vom Nervensystem interpretierbare Reize umwandeln. Und bei Nikotinrezeptoren handelt es sich um spezielle Rezeptoren, die eigentlich auf einen bestimmten Nervenbotenstoff, aber auch auf Nikotin reagieren. Vareniclin wirkt statt Nikotin auf die Nikotinrezeptoren und dient somit als Nikotinersatz, der den Nikotinentzug oftmals deutlich vereinfacht. Gegenüber einem Placebo erhöht 1 mg Vareniclin pro Tag „die Chance für eine Abstinenz nach einem Jahr um etwa das Doppelte, Vareniclin 2 mg täglich um das Dreifache“, heisst es auf Apotheken-Raucherberatung.ch. Das spricht sehr deutlich für eine Wirksamkeit der Therapie mit „Champix“. Die Krankenkasse übernimmt deshalb die Kosten für eine 12-wöchige Raucherentwöhnung mit dem Medikament, allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen, zu denen etwa das Vorliegen einer Nikotinabhängigkeit nach DSM-IV oder Tabakabhängigkeit nach ICD-103 gehört, heisst es weiter auf  Apotheken-Raucherberatung.ch.

Krankenkassen zahlen und sparen Kosten?!

In Teilen der Schweizer Öffentlichkeit entbrannte zuletzt eine Diskussion, ob es der richtige Schritt gewesen ist, Champix zum kassenpflichtigen Medikament zu machen und den Krankenkasse sowie ihren Versicherten damit einen Teil der Kosten von Rauchentwöhnung aufzubürden. In einer Umfrage der Zeitung „Blick“ sprachen sich von über 10.000 Teilnehmern 51,7 Prozent dagegen aus, dass die Krankenkassen den Nikotinentzug bezahlen. 39,8 Prozent waren dafür. Versucht man eine objektive Betrachtung, scheint einiges dafür zu sprechen, dass ein von den Kassen finanziell unterstützter Nikotinentzug auch ökonomisch Sinn macht. In einem später veröffentlichten Artikel nannte die Zeitung Blick Kosten in Höhe von 1,5 Milliarden Franken für die Behandlung von Folgekosten des Rauchens und zitierte zugleich das Bundesamt für Gesundheit mit der Prognose, dass für die Rauchentwöhnung mit den Pfizer-Pillen ein einstelliger Millionenbetrag zu zahlen sei. Das scheint sich zu rechnen. Hinzu kommt: Es geht hier nicht um den Gelegenheitsraucher, sondern um den schweren Raucher, dem geholfen werden soll. Eine Unterstützung durch die Krankenkassen klingt da – wie etwa beim Kampf gegen Adipositas oder auch Alkoholsucht –  ebenfalls sinnvoll.

Für andere Rauchentwöhnungen bleiben Zusatzversicherungen

Mit der Kassenpflichtigkeit von Champix wurde einer der möglichen Wege zu einem rauchfreien Leben so gestaltet, dass er über die Obligatorische Grundversicherung finanzierbar ist. Die Kosten anderer Wege wie etwa von Hypnoseverfahren verbleiben jedoch oftmals beim Patienten. Teils greift allerdings die Zusatzversicherung, über die Versicherer die Bandbreite finanzierter Therapien deutlich steigern. Das ist dann vielleicht ein Grund dafür, sich solche Versicherungen einmal anzusehen?

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