Risikoausgleich: Ältere Personen sind die idealen Kunden

Am günstigsten für die Krankenkassen sind gesunde junge Männer. Da diese Bevölkerungsgruppe die geringsten Kosten verursacht, war sie bis anhin am interessantesten für die Krankenversicherungen. Dies hat sich nun geändert. Die begehrtesten Kunden sind zunehmend ältere Kunden. Grund dafür ist der Risikoausgleich.

Ausgleich zwischen „guten“ und „schlechten Risiken“

Gesunde Menschen verursachen kaum Kosten für die Krankenkassen. Besitzt eine Krankenkasse viele gesunde Kunden, kann sie tiefe Prämien anbieten. Nach diesem Prinzip funktionierten die Versicherer bis zur Einführung des Risikoausgleichs. Dieser wurde mit dem Ziel eingeführt, zwischen Krankenversicherern mit vorwiegend „schlechten Risiken“ und Krankenversicherern mit vorwiegend „guten Risiken“ einen Ausgleich herbeizuführen. Dadurch soll der Anreiz für die Krankenversicherer, sich durch gezielte Anwerbung guter Risiken bzw. Abwerbung schlechter Risiken (Risikoselektion) einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen, vermindert bzw. beseitigt werden, wie kvg.org schreibt.

Ideale Kunden: Frauen ab 40

Die Konsequenz daraus ist, dass junge Männer als Kunden immer weniger attraktiv werden. „Für die jungen Männer legen die Kassen Geld drauf. Darum mussten diese Prämien auch überdurchschnittlich erhöht werden“ sagt Josef Hunkeler, pensionierter Mitarbeiter des Preisüberwachers gegenüber srf.ch. Umso lukrativer werden aufgrund des Risikoausgleichs Frauen ab 40. Für diese Altersgruppe erhalten die Krankenkassen am meisten Ausgleichszahlungen.

Risikoausgleich: Indikatoren für Krankheitsrisiken

Der Risikoausgleich wurde 1993 erstmals als befristete Massnahme gegen die Entsolidarisierung in der Krankenkasse eingeführt. Per 1. Januar 1996 wurde er mit  dem In-Kraft-Treten des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) in das ordentliche Recht überführt. Die Ausführungsbestimmungen zum Risikoausgleich sind in der Verordnung über den Risikoausgleich in der Krankenversicherung (VORA) vom 12. April 1995 enthalten. Die VORA wurde bereits mehrmals revidiert. Am 21. März 2014 hat das Parlament den Risikoausgleich ohne Befristung im KVG verankert. Als Indikator für ein erhöhtes Krankheitsrisiko gelten sowohl Alter und Geschlecht, als auch ein Pflegeheim- oder Spitalaufenthalt im Vorjahr. Im Rahmen einer Verfeinerung des Risikoausgleichs werden in Zukunft zweit weitere Indikatoren hinzugefüg. Einer davon sind die Arzneimittelkosten der Versicherten. Dieser wird ab 2017 berücksichtigt. Ab 2019 oder 2020 soll zudem die pharmazeutische Kostengruppe als weiterer Indikator gelten.

Billigkassen verschwinden

Mit dem Risikoausgleich werden auch die Billigkassen verschwinden, da die Kunden nicht mehr aufgrund ihrer Risiken selektiert werden können. «Die Krankenkassen müssen sich in Zukunft vermehrt um ihre chronisch Kranken kümmern und einen guten Service bieten», mein Rhyn gegenüber des Onlineportals von srf. Die grossen Prämienunterschiede zwischen den Kassen würden sich immer ausgleichen, glaubt Rhyn: «Es wird immer wichtiger werden, wie gut die Versicherten durch ihre Kasse betreut werden.»

Für all diejenigen, die das Gefühl haben, durch ihre Kasse nicht optimal betreut zu werden, besteht noch bis zum 30. November die Möglichkeit, die Krankenkasse zu wechseln. Die Angebote anderer Kassen können beispielsweise durch das Einholen von Offerten verglichen werden. Anhand eines Krankenkassenvergleichs kann zudem die günstigste Krankenkasse für die Grundversicherung einfach herausgefunden werden.

Link zum Text: Risikoausgleich in der Krankenversicherung