Trennung von Grund- und Zusatzversicherung: Pro und Contra

Keine strikte Trennung von Grund- und Zusatzversicherung – so lautet der Entscheid der Gesundheitskommission des Ständerats (SGK-SR). Der Bundesrat schlägt in seinem Reformprojekt vor, dass die Grund– und Zusatzversicherungen strikt zu trennen seien. Daraus sollen verschiedene Vorteile resultieren, wie beispielsweise ein verbesserter Datenschutz  oder eine deutlichere Aufteilung der Zuständigkeiten. Santésuisse, der Branchenverband der schweizerischen Krankenversicherer, begrüsst das Nein der SGK-SR. Dieser Entscheid sei im Sinne der Versicherten.

Strikte Trennung von Grund- und Zusatzversicherung: Eindämmung der Risikoselektion

Momentan bieten 16 Krankenkassen sowohl die Grund-, als auch Zusatzversicherungen in derselben Gesellschaft (rechtlichen Einheit) an, wie einem Bericht des Bundes zu entnehmen ist. Die damit verbundenen Nachteile bestünden in einer begrenzten Transparenz, da Quersubventionen zwischen Grund- und Zusatzversicherungen nicht ausgeschlossen werden können. Zudem könnte ein Infofluss betreffend Kundendaten stattfinden. Werden Daten der Grundversicherung für die Zusatzversicherung missbraucht, fördere dies zusätzlich die Risikoselektion. Was die finanzielle Sicherheit der Krankenversicherungen anbelangt, sei diese weniger gewährleistet, wenn Grund- und Zusatzversicherung in derselben rechtlichen Einheit angeboten werden. Des Weiteren würden durch eine strikte Trennung die Aufsichtstätigkeiten vereinfacht, da die Zuständigkeiten klarer definiert werden könnten, heisst es im Bericht weiter.

santésuisse: Hohe Kosten zulasten der Prämienzahler

Diese Ansicht wird nicht durchwegs geteilt. santésuisse spricht sich klar gegen diesen Vorschlag aus und begrüsst das Nein der SGK-SR. Bei einer strikten Trennung der Grund- und Zusatzversicherung würden Synergieeffekte in der Höhe von 400 Mio. Franken verloren zulasten der Prämienzahler verloren gehen, schreibt der Branchenverband in einer Pressemitteilung. Vor allem der mit der Trennung verbundene administrative Aufwand würde hohe Kosten verursachen. Aber nicht nur seitens der Krankenkassen würde sich der Aufwand vergrössern, wenn pro versicherte Person zwei Policen, zwei Versicherungskarten etc. versendet werden müssten. Seitens der Versicherten könnten diese nicht mehr von „Serviceleistungen aus einer Hand“ profitieren. Die Zahlen scheinen für sich zu sprechen: „Eine Mehrheit von 80 Prozent der Zusatzversicherten entscheidet sich heute für eine Lösung bei der gleichen Gesellschaft“, wie es in der Mitteilung weiter heisst.

Auch einzelne Krankenkassen sprechen sich gegen diese Vorlage aus. Visana beispielsweise betrachtet eine strikte Trennung von Grund- und Zusatzversicherung als „unnötig und volkswirtschaftlich schädlich“.

Link zum Text: KVG