Wer zahlt für die Therapie beim Psychologen?

Derzeit ist es nur in Ausnahmefällen so, dass die obligatorische Grundversicherung in der Schweiz eine Psychotherapie bei einem Psychologen oder einem Psychotherapeuten bezahlt. Wer für solche Therapien auf finanzielle Hilfe setzt, muss oft auf Zusatzversicherungen wie die Krankenpflege-Plus- und Krankenpflege-Comfort-Versicherung zurückgreifen. Aber es könnte in Zukunft alles anders werden. Ursache dafür ist das neue Psychologieberufegesetz, das ab dem ersten März in der Schweiz gilt.

Psychotherapie und Grundversicherung

Die Grundversicherung zahlt eine Therapie bei einem Psychologen oder einem Psychotherapeuten aktuell nur dann, wenn der Therapeut bei einem Arzt (Psychiater) angestellt ist. Psychiater sind Ärzte mit passender Weiterbildung, Psychotherapeuten und Psychologen sind dagegen gar KEINE Ärzte. Damit die Grundversicherung greift, muss der Arzt den bei ihm angestellten Therapeuten damit beauftragen, den Patienten zu therapieren und die Therapie dann auch kontrollieren. Diese Vorgehensweise wird delegierte Psychotherapie genannt. Die Regelung hat allerdings ihre Schwachstellen, weil die Zahl derjenigen Ärzte abnimmt, die sich zum Psychiater weiterbilden lassen, schreibt der Tagesanzeiger am vierten Januar 2013.

Die Zusatzversicherungen der Agilia

Finanzielle Unterstützung für eine Psychotherapie bei einem Psychologen, der nicht bei einem Psychiater angestellt ist, gibt es derzeit nur durch Zusatzversicherungen. Zwei Beispiele für solche Versicherungen sind die Krankenpflege-Plus- und die Krankenpflege-Comfort-Versicherung der Agilia. Beide zahlen maximal 1.600 Franken innerhalb von fünf Kalenderjahren und maximal 50 Franken pro Sitzung. Es gibt allerdings zwei Voraussetzungen dafür, dass die Agilia Zusatzversicherungen zahlen. Einerseits wird die Therapie nur dann unterstützt, wenn der Therapeut einer der folgenden Organisationen angehört:

  • SPV (Schweizerischer Psychotherapeutenverband),
  • FSP (Föderation Schweizer Psychologinnen und Psychologen),
  • SBAP (Schweizerischer Berufsverband für Angewandte Psychologie).

Andererseits muss laut Agilia eine „ärztliche Verordnung für eine psychotherapeutische Behandlung eines Leidens mit Krankheitswert“ vorliegen. Ob sich der Abschluss der Agilia Krankenpflege-Plus- oder Krankenpflege-Comfort-Versicherung lohnt, sollte man nicht alleine anhand der Leistungen beider Versicherungen bei Psychotherapien entscheiden. Die Versicherungen bieten daneben unter anderem Leistungen für Badekuren, Medikamente, Brillen und Transportkosten. Leistungen für Komplementärmedizin werden dagegen nur von der Krankenpflege-Comfort-Versicherung übernommen.

Warum alles anders werden könnte!

Durch das Psychologieberufegesetz, das ab dem ersten März 2013 in der Schweiz gilt, werden die Berufstitel „Psychotherapeut“ und „Psychologe“ geschützt. Das sei die Voraussetzung dafür, dass Therapien bei Therapeuten ohne Medizinstudium, die nicht bei einem Psychiater angestellt sind, zukünftig doch von der obligatorischen Grundversicherung finanziert werden könnten, schreibt der Tagesanzeiger. Fast 4.000 solcher Therapeuten gibt es aktuell in der Schweiz, heisst es weiter. Ob es wirklich dazu kommt, dass die Obligatorische Grundversicherung die Kosten für Therapien bei ihnen übernimmt, ist noch ungewiss. Die Krankenversicherer fürchten steigende Kosten, was auch ein Grund dafür sein könnte, dass sich das Bundesamt für Gesundheit zu zieren scheint. Es bleibt also abzuwarten, was passiert.

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